Start | Genres  | Andere Genres | Nashville Sound

GENRES

Info

Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Andere Genres-Neuerscheinung

Alle Andere Genres-
Neuerscheinung

Nashville Sound
Music City

 

Country-Monopol: Der Nashville Sound

Als der Gitarrist Chet Atkins in den 50er Jahren als Produzent an Einfluss gewinnt, zeichnet sich der Sound ab, der bis Mitte der 70er Jahre der kommerziell erfolgreichste Stil des Country sein wird: Atkins produziert einen geschliffenen Pop, der sich nur noch in Aufbau und Melodieführung an Country anlehnt - Patsy Cline und Dolly Parton werden so zu Stars. Ende der 60er kommen die Rocker und Folksters.

Nashville: gelegen in den Cumberland Plains an den westlichen Hängen des Appalachen-Gebirges. 570.000 Menschen leben hier, vier Universitäten gibt es. Als Verlagsort der Methodist Church, also der größten Kirche der USA, ist die Hauptstadt Tennesees von einiger Bedeutung. Der Beiname der Stadt lautet allerdings "Music City", und diesen Namen trägt sie bereits seit geraumer Zeit. Denn im zurück liegenden Jahrhundert konzentrierte sich für eine Weile das Country-Geschehen fast gänzlich auf Nashville. Und auch heute noch konzentriert sich dort die Country-Szene der USA in all ihren Facetten - die Weichspül-Country-Sängerinnen Dixie Chicks haben dort ersten Ruhm geerntet, Redneck-Rocker wie Garth Brooks und Alternative Country-Bands wie Lambchop leben dort.

Rock entsteht gleich um die Ecke

Zur Musikhauptstadt der USA, zumindest was Country- und von Country inspirierte Stile betrifft, wurde Nashville aus vielerlei Gründen. Zunächst spielte in Tennessee wie in den weiteren Bundesstaaten an den Appalachen bereits Bluegrass und dessen Vorläufer eine besondere Rolle. In Nashville selbst äußerte sich diese Begeisterung etwa im Erfolg der Radio-Show "The Grand Ole Opry", was übersetzt "Die große olle Oper" bedeutet. Seit der ersten Sendung im September 1925 hat das wöchentliche Format, das inzwischen jeden Samstag live aus dem Vergnügungspark Opryville in Nashville gesendet wird, zu einem institutionalisierten Grand Prix der Country Music entwickelt - wer dabei sein darf hat schon gewonnen. Wer besonders auffällt, wird zum Star.

Doch sind da weitere historische Entwicklungen neben diesem Country-Stadel, die Nashville so bedeutend haben werden lassen. In den 50er Jahren wurde, nur ein paar hundert Meilen entfernt, der Rock'n'Roll in Memphis auf ein weißes Massenpublikum hin umgestaltet. Für die Country-Musik bedeutete das Stagnation und Zukunftsangst - Talente und jugendliches Publikum, alle wanderten sie ab an den Rock'n'Roll. Doch die Rettung kam, und sie hieß Chet Atkins. Als gepriesener Fingerpicking-Gitarrist hatte der 1924 geborene Atkins bereits im Alter von 22 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne der Grand Ole Opry gestanden. Schon drei Jahre später, im Jahr 1949, wurde er von den Moderatorinnen der Show - die Bluegrass-Legenden Mother Maybelle und die Carter Sisters - als regulärer Gast eingeladen. So furios ging es weiter in der Karriere des Chet Atkins.

Steigerung der Anziehungskraft

Vom Nashville Sound begann man zu sprechen, als Atkins auch als Produzent immer bedeutender wurde: dem immer noch sehr der Bluegrass-Tradition mit Fiddel, Standbass und Banjo setzte Atkins einen Klangentwurf auf der Höhe seiner Zeit: aufgeräumt und transparent klingt seine Vorstellung von Country Music, effektiv werden die Instrumente gesetzt, und der Rhythmus wird mit einem Swing-Gefühl eingespielt. Mit diesem Entwurf schafft Atkins die großen Stars des Country-Mainstream in den 50er und 60er Jahren: Eddy Arnold, Jim Reeves, Willie Nelson, Charley Pride, Patsy Cline. Doch ging sein Einfluss weit über die eigenen Produktionen, Auftrags-Songs und Anheuerungen als Session-Gitarrist hinaus. Dieser neue Country-Pop wurde zur Folie, und bis heute hat er, zumindest aus kommerzieller Hinsicht, ein paar entscheidende Tabus gebrochen. So wäre etwa die klare Sopran-Stimme einer Dolly Parton in der Prä-Atkins-Ära kaum denkbar gewesen - da galt das gute, alte Bluegrass-Näseln als unhinterfragter Standard.

Die Anziehungskraft von Nashville wurde im Laufe der 60er Jahre derart stark, dass auch die gefeierten neuen Folksters, Singer/ Songwriter und Rockbands kamen, um sich in den Studios dieses Nashville-Feeling in ihre Songs produzieren zu lassen. Als sich 1968 Joan Baez in die Stadt begab, sollten ihr ein Jahr später sowohl Bob Dylan als auch The Byrds folgen. Dylan verewigte die Stadt gar im Album-Titel Nashville Skyline, während die eigentlich aus Kalifornien kommenden Byrds auf Sweetheart Of The Rodeo gleichfalls mit Country-Stereotypen flirteten. Auch Leonhard Cohen und Peter, Paul and Mary nahmen in Nashville auf.

Als Reaktion auf den alles beherrschenden Pop-Sound verließen anfangs der 70er allerdings einige großartige Country-Songwriter die Stadt - allen voran Willie Nelson. Somit schickten sich auch weitere Städte an, in Zukunft ein wichtiges Wort mitzureden in der Geschichte des Country, besonders Austin, Texas und das kalifornische Bakersfield. Dennoch bleibt Nashville die Music City der USA: solange es um Country- und von Country inspirierte Stile geht.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Don Gibson, Tammy Wynette, Loretta Lynn, Anita Kerr Singers, Kenny Rogers, Sonny James, Jack Green, Billie Joe Spears

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Skeeter Davis: I'll Sing You A Song And Harmonize, Too [1960]
Marty Robbins: Country Music 1960 - 1966 [2000]
Porter Wagoner: The Thin Man From The West Plains - RCA Sessions 1952 - 1962 [2000]
V.A: The Nashville Dream Vol.1 [2001]
Patsy Cline: Through The Eyes Of Patsy Cline [2002]
Jim Reeves: The Jim Reeves Radio Show [2004]
V.A.: The Road To Nashville - The History Of Country [2004]
Chet Atkins: Mr. Guitar - Complete Records 1955 - 1960 [2004]