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GENRES

Gospel
Hört die Botschaft

 

Mit IHM grooven - eine kurze Geschichte des Gospel

Gospel heißt nichts anderes als Evangelium, und genau darum geht es: die Fortsetzung des neuen Testaments mit anderen Mitteln, nämlich mit Musik. Mahalia Jackson und James Cleveland haben den Black Gospel von der Kirche auf die großen Bühnen gebracht, der Mississippi Mass Choir zelebriert wahre Gottesdienste. Von Aretha Franklin über Ray Charles bis zu Whitney Houston lässt sich der Einfluss spiritueller afro-amerikanischer Musik verfolgen.

Den schwarzen Sklaven schien das Jenseits attraktiver als der schmerzhafte und (für viele) kurze Aufenthalt im Diesseits permanenter Ausbeutung. In ihrem Liedgut nahmen von jeher Spirituals einen prominenten Stellenwert ein. Alttestamentarische Motive des gelobten Landes und der ägyptischen Gefangenschaft spiegelten ihre Situation erschreckend genau wieder (oftmals war die Metapher der Flucht aus dem Leben ins Jenseits ein musikalischer Code für die ganz reale Flucht in die Nordstaaten). Den eigentlichen Beginn der Gospelmusik nach dem Sezessionskrieg markiert ein Mann: Thomas A. Dorsey (1899 - 1993). Seine über 800 Kompositionen waren und sind stilbildend. Ursprünglich ein Bluesmusiker, verband er die säkularen Elemente von Jazz und Blues mit der christlichen Heilsbotschaft der (zumeist) protestantischen Choräle Europas. Die "Queen of Gospel", Mahalia Jackson, machte seine Lieder populär. Der Plattenmarkt wurde in den späten 60ern auf das Genre aufmerksam, als die Edwin Hawkins Singers zwei Millionen Singles von "Oh Happy Day" verkauften. Doch nach wie vor ist neben Einzelinterpreten (Clara Ward, James Cleveland) und Vokal Quartetten (The Swan Silverstones, Caravans) der große Chor - a capella, oft aber mit Band - der Prototyp des Gospel: Hier wird das relgiöse Ritual zwischen Priester und Gemeinde durch einen Vorsänger und dem Chor (call and response) musikalisch umgesetzt. Selbst eingefleischte Atheisten bekommen bei einem Konzert des Mississippi Mass Choir Gänsehaut. Die Popularität und musikalische Sogwirkung des Gospel erleichterte vielen seiner Protagonisten den Wechsel in die säkulare Popmusik; die bekanntesten Überläufer (die ihren Wurzeln doch irgendwie treu blieben) sind Aretha Franklin, Ray Charles und Lou Rawls.

Mittlerweile hat sich der Gospel im Mainstream gut etabliert. Major Plattenfirmen gründen eigene Gospellabels; in den 90er Jahren schnellte der Umsatz auf schlappe 500 Mio $. Stars wie Mariah Carey und Whitney Houston integrieren (mehr oder minder explizit) Gospel-Elemente in ihre Songs. "Why We Sing" von Kirk Franklin (1995 Platin) und William Bectons "Be Encouraged" sind Chartbreaker, von Sam Cooke ganz zu schweigen. Der Weg des Gospel aus den Kirchen heraus in die großen Konzertsäle, Studios und TV-Shows zog eine breite Palette von Substilistiken nach sich. Unter dem Sammelbegriff Contemporary Christian Music (CCM) tummeln sich der traditionelle Black Gospel, Southern Gospel, Country Gospel sowie Gospel mit R&B- und Hip Hop - oder Dancefloor - Elementen eines Kirk Franklin.

Dass die massentaugliche und gruppenstabilisierende Heilsbotschaft viele Nachahmer im semi- und gänzlich unprofessionellen Bereich auf den Plan ruft (Gospels und Spirituals werden gern kirchentagskompatibel mit erhöhtem Lagerfeuerfaktor auf schwäbischen Kirchengemeindefesten verwurstet) täuscht nicht darüber hinweg, dass bei den ernstzunehmenden Produktionen veritable Musiker am Start sind. Um diesen Gospel zu lieben, muss man wahrlich nicht religiös sein - lediglich begeisterungsfähig für die Begeisterung anderer.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Soul Stirrers, Al Green, Sisters of Glory, Brooklyn Tabernacle Choir, Georgia Mass Choir, The Happy Goodman Family, Pilgrim Jubilee Singers, The Speer Family, Blackwood Singers

Ein paar Alben mit Schlüsselqualitäten:

Mahalia Jackson: Sunday Morning Prayer [2001]
Mahalia Jackson: Queen of Gospel [1998]
Sam Cooke: Hits [2000]
Sam Cooke with the Soul Stirrers[1992]
Aretha Franklin: Gospel [1997]
Ray Charles: Hallelujah, I Love Her So [2001]
Lou Rawls: Greatests Hits Live [1999]