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G-Funk
Da ist noch mehr als G-Funk

 

Für ein paar Jahre dominierte die West Coast den Rap

Irgendwann beginnt die West Coast, ihre eigene Themen in Raps zu packen - nachdem in L.A. und der Bay Area um San Francisco lange Zeit nur die Innovatoren von der Ostküste kopiert worden sind. Nun sprechen N.W.A. und Ice-T, und die Welt ist schockiert. Den kommerziellen Erfolg nutzt N.W.A.-Mitglied Dr. Dre und erfindet die G-Funk-Formel. Gleichzeitig formieren sich diverse Posses um Gruppen wie die Souls Of Mischief und Blackalicious: Wer geprägt ist von Freestyle Fellowship wie sie, der passt in kein Format.

HipHop entsteht im Laufe der 70er Jahre an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Lange Zeit verkauft sich auch nur Rap aus dieser Region. Erst mit der zweiten Hälfte der 80er Jahre tauchen an der Westküste, besonders um L.A. und der Bay Area um San Francisco die ersten MCs und Produzenten auf, die nicht bloß die Innovatoren des Ostens - Grandmaster Flash, Kool DJ Herc oder Granwizzard Theodore - kopieren.

Als N.W.A. 1989 ihr Album Straight Outta Compton veröffentlichen, erregen sie ein hohes Maß an Aufmerksamkeit: Gewandt drehen sie das Wort, wenn sie in ihren Raps vom gewaltbeladenen Alltag der schwarzen Ghettos reimen. Vor ihnen hat bereits etwa ein Ice-T gewaltbereite, explizite, auch frauenveachtende Raps geliefert. Ihm gelingt es aber immer, diese Themen auch in ihrer politischen und sozialen Geschaffenheit - strukturell ist das schwarze Amerika nach wie vor benachteiligt - zu reflektieren. N.W.A. aber, zu denen Ice Cube und Dr. Dre gehören, lassen diese politische Ebene meist draußen und sind die ersten, die mit diesen Themen ein weißes, nicht-betroffenes Publikum erreichen. Sie verkaufen Alben in Platin-Auflagen.

Besonders Dre schafft es mit einer Mischung aus Geschäftssinn plus einer enormen Portion Produktionstalent, sich selbst wie auch Andere als Superstars des Rap zu erschaffen. Mit The Chronic produziert er 1993 das Album, das zu dem Synonym für Westcoast Rap jener Jahre wird: Gangsta Funk, kurz G-Funk. Die Instrumentals beruhen nun mehr auf eingespielten statt gesampelten Loops, die Beats fließen sehr leichtfüßig, fast gemächlich.

Warren G. und Tha Dogg Pound profitieren unter anderem von dieser Formel, und der bereits auf The Chronic gefeaturete Snoop Dogg setzt mit seinem in dieser Lässigkeit schon an Arroganz grenzenden Reimflow noch eins oben drauf.

So entsteht ein überdeutliches Bild von der Westcoast: Die Küste, insbesondere South Central, L.A., wo viele MCs herkommen, wird zum Synonym für Gewalt Schwarzer gegen Schwarzer und Schwarzer gegen Latinos, Gewehre im Anschlag, gefährlich teure Autos und ordentlich Frauenverachtung inklusive.

Dieses Bild verdeckt eine beinah ebenso lang andauernde Geschichte. Denn auch das Good Life Café steht in jenen frühen Neunzigern in South Central, L.A. Dort treffen sich die damals noch ganz jungen Mitglieder von Jurassic 5. Und hören Freestyle Fellowship mit ihren hirnerweichenden Stehgreif-Raps. Die inspirieren eine ganze Riege Rapper, die sich von den Wort-, Rap- und Themenstandards von Snoop Dogg und Warren G. nicht formatieren lassen wollen. Bay Area Crews wie die Souls Of Mischief, Oaklander wie die Dilated Peoples lassen sich in ihrer Jugend von den Rap und Poetry-Shows im Good Life Café anstecken.

Sie alle haben sich mittlerweile zu Instanzen der Westcoast entwickelt, die immer noch in diversen Posses aktiv sind. Da wären die Hieroglyphics, zu denen u.a. Souls Of Mischief gehören und auch jener Del Tha Funkee Homosapien, der auf dem Aufmerksamkeitshöhepunkt von Westcoast Rap einen Charthit landet mit "Mr. Dobalina". Einflussreich und weltweit geachtet sind ebenso Quannum um DJ Shadow und Blackalicious und die Living Legends, zu denen Murs und die Mystik Journeymen ihre Leidenschaft beisteuern. Sie halten sich seit etlichen Jahren auf kleinem, aber konstanten Bekanntheitslevel. Während Dr. Dre mit Eminem mittlerweile in Detroit fündig wird und sich die mediale Aufmerksamkeit wieder stärker auf die Ostküste und neuerdings auch in den Süden richtet.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Young MC, Xzibit, The Grouch, Pep Love, Defari, Digital Underground, Invizibl Skratch Piklz,Sir Mix-A-Lot, Cypress Hill, Kid Frost

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Ice-T: Rhyme Pays [1987]
N.W.A.: Straight Outta Compton [1988]
Dr. Dre: The Chronic [1992]
Snoop Doggy Dogg: Doggystyle [1993]
Cypress Hill: Black Sunday [1993]
Freestyle Fellowship: Inner City Griots [1993]
Kid Frost: Hispanic Causing Panic[1994]
Jurassic 5: Power In Numbers [2002]
Murs: The End Of The Beginning [2003]